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Buchtipp: Der Gute-Nacht-Kuss, der danebenging

Es ist Dienstagabend und der König hat es wie immer sehr eilig. Anstatt seinem kleinen Sohn vor dem Schlafengehen eine Geschichte vorzulesen, wirft er ihm nur im Vorbeigehen einen Gute-Nacht-Kuss zu - doch dieser macht sich selbstständig und hüpft zum Fenster hinaus!

Soll der kleine Prinz nun etwa ungeküsst einschlafen? Nichts da! Der treue Ritter und sein wackeres Ross nehmen die Verfolgung des flüchtigen Kusses auf. Tapfer wagen sie sich in den verschneiten Wald, dessen wilde Bewohner mit "viel zu vielen Haaren und sehr schlechten Manieren" nicht besonders erfreut über den nächtlichen Besuch sind. Ganz schön gefährlich, doch zum Glück kommt der königliche Kuss vorbeigesaust und sagt allen übellaunigen Bären, Eulen und Wölfen der Reihe nach Gute Nacht ... und das ist noch nicht das Ende der Geschichte.

David Mellings geniale Gutenachtgeschichte überzeugt auf ganzer Linie: mit der pfiffigen Grundidee und dem augenzwinkernden Witz in Text und Bild - aber vor allem mit den wunderbaren Zeichnungen, in denen der Künstler eine ganz eigene, märchenhafte Welt erschafft, die von knuffigen Tieren und liebenswert tolpatschigen Menschen bevölkert wird. Es lohnt sich, inmitten der überbordenden Bilder, die teilweise ihre eigenen Rahmen sprengen, auf Details zu achten: so tauchen zum Beispiel aus dem Dunkel des Waldes bereits die Umrisse der Tiere auf, ehe sie im Text benannt werden, der König geht mit Gummi-Ente ins Bad und der Löwe auf dem ritterlichen Schutzschild führt ein Eigenleben.

Ein zeitloses, zauberhaftes Bilderbuch zum Liebhaben.

Der Gute-Nacht-Kuss, der danebenging. Von David Melling. Aus dem Englischen von Mirjam Pressler. Oetinger, Hamburg 2006.