Buchtipp: Worte, die leuchten wie Sterne
Nachdem Rev Fletcher im Vorgängerband "Der Himmel in deinen Worten" als Nebenfigur auftrat und seinen besten (und einzigen) Freund Declan nach Kräften in schwierigen Zeiten unterstützt hat, spielt er hier nun selbst die Hauptrolle:
Mit dem Brief, den er nach seinem 18. Geburtstag von seinem leiblichen Vater erhält, droht Revs ganze Welt auf einmal zusammenzubrechen. Er hatte geglaubt, er sei in Sicherheit und müsste nie wieder etwas von dem Mann hören, der ihn als Kind gequält und schwer misshandelt hatte.
Warum sucht sein Vater nun plötzlich Kontakt, was will er von Rev? Er weiß nicht, wie er das Thema seinen Adoptiveltern und seinem Freund Declan gegenüber zur Sprache bringen soll; fühlt sich schuldig, weil er in einer Kurzschlussreaktion die Antwort "Lass mich in Ruhe!" an die angegebene Mailadresse seines Vaters geschickt hat und daraufhin ständig mit perfiden Mails von ihm bombardiert wird. Seine größte Furcht: Was, wenn er durch seine Kindheitserlebnisse dermaßen kaputt ist, dass er eines Tages ein ebenso gewalttätiger Mensch wie sein Vater werden könnte?
Die Einzige, mit der er darüber reden kann, ist Emma, die gerade selbst eine schwere Zeit durchmacht: Ihre Eltern stehen kurz vor der Scheidung, sie liegt im Dauerclinch mit ihrer Mutter, wird im Internet von einem hartnäckigen und bösartigen "Troll" belästigt und versteht nicht, warum sich schon seit längerer Zeit ein Graben zwischen ihr und ihrer besten Freundin aufzutun scheint. Rev und der neue Internetfreund Ethan sind für Emma die einzigen Lichtblicke. Sie ahnt nicht, dass sie bereits in großer Gefahr schwebt. Kann Rev dem Schatten seiner Vergangenheit entkommen und Emma retten?
Brigid Kemmerer versteht es wirklich, ihre Hauptfiguren in Situationen zu porträtieren, in denen die ganze Welt gegen sie zu sein scheint, und alle Leserinnen und Leser kräftig mit ihnen mitleiden. Wie schön, dass sich Declan in diesem Band außerdem im Gegenzug für Revs Hilfe im Vorgängerband nun als ebenso guter Freund erweisen darf, den es noch nicht einmal schockt, von Rev mitten in der Nacht aus dem Schlaf gerissen zu werden, um ganz dringend eine Antwort auf die Frage zu finden, welcher der beiden Söhne aus dem biblischen Gleichnis vom verlorenen Sohn er denn wohl wäre. Und Declan wäre nicht Declan, wenn er darauf nicht eine ebenso unerwartete wie geniale Erwiderung finden würde!
Worte, die leuchten wie Sterne. Von Brigid Kemmerer. Aus dem Amerikanischen von Henriette Zeltner. HarperCollins ya!, Hamburg 2018.