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Buchtipp: Zebrawald

Die elfjährige Annie und ihr kleiner Bruder Rew leben mit ihrer Großmutter am Rand des "Zebrawaldes". Zu anderen Menschen haben sie nur wenig Kontakt, in die Schule gehen sie unter falschem Namen. Die Großmutter verlässt nur selten das Haus; manchmal schweigt sie den ganzen Tag und bleibt in ihrem Zimmer.

Annie und Rew lieben das Buch "Die Schatzinsel" von Robert Louis Stevenson, obwohl ihrer Ausgabe der Anfang fehlt. Sie diskutieren wieder und wieder über ihre Lieblingsfiguren (Rew liebt Long John Silver, Annie zieht Dr. Livesey vor) und erfinden eigene Anfänge für die Geschichte - ebenso, wie Annie für Rew Geschichten über ihre Familie erfindet: über Großvater Morgan, über ihren unbekannten Vater Andrew Snow. War er vielleicht auch ein Pirat?

Zu Beginn der Sommerferien sind sie zu dritt in ihrem kleinen Haus wie aus der Zeit gefallen: Annies einzige Freundin ist verreist, die regelmäßig vorbeischauende Sozialarbeiterin ebenso. Dann bricht ein fremder Mann bei ihnen ein; er ist bei einem Massenausbruch aus dem Gefängnis hinter dem Zebrawald geflohen und sucht ein Versteck. Doch in Wahrheit ist er kein Fremder. Und bald wird Annie klar: ihr Vater Andrew Snow ist gar nicht von einem wütenden Mann umgebracht worden, so wie es die Großmutter immer erzählt hat. Vielleicht ist er selbst der wütende Mann ...

Der erste Roman der Autorin Adina Rishe Gewirtz entpuppt sich als eine wunderbare, poetische Geschichte übers Geschichtenerzählen - und darüber, dass die Welt nicht nur schwarz und weiß ist. Wie in jedem richtig guten Buch bleibt manches unausgesprochen und lädt dazu ein, die Antworten zwischen den Zeilen zu finden.

"Zebrawald" ist ein leises Buch. Eine Geschichte, die sich auf Zehenspitzen an ihre Leserinnen und Leser heranschleicht und ihnen dann direkt ins Herz flüstert.

Zebrawald. Von Adina Rishe Gewirtz. Aus dem Englischen von Alexandra Ernst. Cbt, München 2014.